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Es geht los.

Darf ich? -Nein! Warum nicht? -Du bist doch kein Engländer!!

Nein das stimmt. Das bin und war ich nicht. Also verbot mir meine Freundin konsequent im Mallorca Urlaub Anfang Mai zum Abendessen meine neues Deutschlandtrikot zu tragen.

Kein Adler also am Buffet, während viele Beckhams und vorallem Rooneys sich bedienen durften. Ich ballte meine Faust regelmäßig um sämtliches Besteck.

Aber mal ehrlich: ich war grundsätzlich froh nicht in eine Ecke mit Fans aus Britannien gestellt zu werden. Mein privates Vorurteil gegenüber unseren europäischen Freunden von der Insel, entwickelt sich seit etwa einem Jahr. Damals, auf Gran Canaria, wurde mein Betrachten der sich fröhlich entblößenden Skandinavierinnen penetrant von gröhlenden Engländern gestört.
Als störend empfand ich auch das Äussere - und manchmal erschrickt sich meine größere liberale Seite meines Characters über dieses harte Fundament des Voruteils aber ich zog häufig fast angewidert meine Sonnebrille hoch: massig, tätowiert, halbnackt und ohne Haare. Das Aussehen passte also recht genau auf meine Vorstellung, die die Laute im Vorfeld gemalt hatten. Mit langen Haaren ist das dann übrigens die weibliche Variante.

Am Flughafen in Palma kam dann Anfang Mai also das Déja vu. Unter einem für alle sichtbar und per Zeichnung auch für alle Verständlich gemachten NICHT RAUCHER Schild tummleten sich 2 Rooneys und ein Beckham samt Frauen und steckten sich gegenseitig die Zigaretten an. Ein spanischer Polizist traute seinen Augen kaum und ging, samt umgeschnallter automatischer Waffe in die Richtung...doch obwohl er noch diskutieren musste ist wirklich nichts passiert. Erschreckend, dass ich mir schon ausgemalt hatte, wie ich hinter dem Gepäckband Deckung vor umherfligenden Kugeln suchte.

Wie schon erwähnt: ich bin wirklich liberal. Extremismus ausserhalb des Fußballplatzes liegt mir eigentlich fern. Aber es nähert sich die WM und was bleibt uns noch anderes Übrig als zumindest zu versuchen andere Nationen im sozialen Umgang als schlechter darzustellen, wenn unsere Elitekicker es auf dem Feld nicht wirklich schaffen. Ja, ich kann den Aufschrei bis hier hören: Mein Gott, noch einer der die Mannschaft runter macht. Nein, natürlich nicht. Wir werden Weltmeister. Alles Weiter unter: die Deutschen.

Aber zurück zum Trikot. Daran kam ich übrigens am Kölner Flughafen. Ein Sportgeschäft im Sicherheitsbereich hatte die roten Hemden reduziert und sich somit in Besitz der Hälfte meines Urlaubsgeldes gebracht. Das erste Überziehen war ein interessantes Ereignis. Meine Freundin schlief schon und ich schlich mich ins Zimmer, an den Schrank, nahm es behutsam aus der Tüte, hielt kurz die Luft an als ich dachte ertappt worden zu sein und schlich dann wieder heraus.

Halt, wird jetzt mancher denken, ist das nicht ein bißchen viel Aufwand für das Anprobieren eines roten kunststoff Hemdes. Nein, fand ich zumindest während draußen kein lauer Mallorquinischer Abend auf uns wartete sondern sehr deutscher Wind und Regen. Und auch deswegen wollte ich aus der ersten Begegnung mit dem Trikot einen besonderen Moment kreieren.
Ich muss gestehen, es war vieleicht auch die halbe Flasche Wodka die mich in einen kleinen patriotischen Rausch versetzt hatte an diesem Abend. Doch irgendwie passte alles: Drauß rauschte der Wind, drinnen war das Licht gedämpft und ich zog das Hemd über, in gespannter Erwartung. So musste sich Frodo gefühlt haben, als er zum erstenmal den Ring überstreifte, oder Arthus als er Exkalibur aus dem Stein zog. Oder Andi Brehme als er uns 1990 zum Weltmeister schoß. Erhebend aber auch belastend, beengend aber auch mächtig.
Das ich mich damit vor einen Spiegel gestellt habe und mit hinter dem Po verschränkten Händen leise die Nationalhymne gesummt habe schreibe ich heute auch dem Vodka zu. Aber es war für mich auch ein Zeichen: Ja, es geht Los. Und nein, auch morgen werde ich dich nicht zum Frühstück tragen, denn ich bin ja kein Engländer.

(Rechtschreibfehler sind im Preis mit drin)
31.5.06 22:21





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